Glaubenssätze und inneres Kind

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Bei gemachten Erfahrungen, die bewusst oder unbewusst viel Emotionen in Bewegung gebracht haben, werden häufig Glaubenssätze entwickelt. Als Kind hat man mit ca. vier Jahren seine Meinung über die Welt gemacht. Zum Beispiel: „damit ich geliebt werde, muss ich Leistung bringen. Anderen Menschen vertrauen ist gefährlich.“ usw. Die Glaubenssätze bewirken, dass manche Dinge wie von alleine im Leben vorhanden sind. Gutes, wie aber auch Leid. Dieses ist oft von Aehnlichkeit geprägt: Schicksalswiederholungen;  das sogenannte Reinszenieren der vergangenen Situationen mit Familienmitgliedern, am Arbeitsplatz usw. Aus psychologischer Sicht entstehen Glaubenssätze im Kindesalter. Aus spiritueller Sicht ist es eher so, dass jeder Mensch schon mit bestimmten Prägungen auf die Welt kommt. Durch die Familie, mit all ihren Mustern und Geschichten, wird das „innere Kind“ geprägt. Oder mit anderen Worten: Muster etablieren sich im Unterbewusstsein. Die Seele hat die Möglichkeit, mit Schmerzen, Traumatas, Ressourcen und Potential in Berührung zu kommen und in bestem Fall in Frieden damit zu kommen.

Glaubenssätze sind ein unsichtbarer Magnet, der Gewisses anzieht, Anderes abstosst und jenseits des Verstandes wirkt. Deshalb sind Glaubenssätze ausserhalb der bewussten Kontrolle und können wenig über Einsicht kontrolliert werden.

Selten reicht es aus, um vergangene prägende Erfahrungen zu wissen. Bewusstes Aufheben und bewusstes Neu-Integrieren vermag aber oft in kurzer Zeit viel zu bewegen.

Verbunden und doch frei mit dem inneren Kind, Verbundenheit mit sich und anderen, Neugier, Lebendigkeit, Humor und Weichheit sind Qualitäten, die zum Geschenk werden durch den Kontakt mit dem inneren Kind. Diese Liste von Qualitäten lässt sich vielfältig erweitern.

Die Bezeichnung „inneres Kind“ umfasst sämtliche Erfahrungen aus der Kindheit. Dabei ist es sicherlich hilfreich zu wissen, dass das letzte Schwangerschaftsdrittel, die Geburt und die Zeit unmittelbar nach der Geburt im Besonderen prägend sein können. Es gibt Stimmen, die davon ausgehen, dass alleine diese Erfahrungen die Hälfte des Unterbewusstseins ausmachen. Gerade weil allfällig schwieriges  Erleben in der Zeit vor dem sprachlichen Ausdruck geschehen ist (also bevor das Kind seine Gefühle innerlich mit Worten bezeichnen kann, noch äusserlich in Worte fassen), können das Erlebte und die Spuren davon von besonderer Tiefe sein und prägend, so lange sie unbewusst bleiben.

Das Bedürfnis, etwas über die eigenen, oftmals sehr verborgenen Gefühle kennen zu lernen, kommt meist mit Herausforderungen der Gegenwart: Streitereien, schnelles sich verletzt-fühlen, wenig mit sich anzufangen wissen, oder Aktivismus, „schwierige“ Menschen, Wut, Groll, Kopfigkeit, Leb- und Lieblosigkeit, in Beziehungen bleiben, obwohl sie wenig erspriesslich sind, sexuelle Themen, Verschlossenheit, sich schnell verlieben, erschwert alleine sein können,  unbedingt alleine sein „müssen“, abkapseln, Unruhe, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden; wenig nährende soziale Kontakte, Schwierigkeiten mit der Arbeit, depressive Verstimmungen bis hin zu Suizidalität, psychotischem Verhalten oder Persönlichkeitsstörungen. Für das damalige Aufwachsen war es für das Kind eine wirksame Ueberlebensstrategie, Unangenehmes zu verbergen und zu „vergessen“. Für das Unwohlsein in der Gegenwart wird jedoch genau dieses Verhalten zur Krux. Der Körper vergisst nicht. Wesentliche Erfahrungen sind muskulär, zellulär sowie im Gehirn abgespeichert. So ist es sinnvoll, Schwierigkeiten in der Gegenwart als Anlass zu nehmen, die eigene Persönlichkeit vertieft kennen zu lernen.
Dauerhafte Veränderung geschieht über das Zulassen der Emotionen.  Einerseits kann es sehr heilsam sein, Erlebtes aussprechen zu lernen und darin gehört zu werden. Andererseits ist der noch wichtigere Teil zur Heilung das Fühlen. Fühlen heisst, das Erlebte auf der Gefühlsebene zuzulassen, unter Umständen sogar, ohne es kognitiv zu verstehen. Dabei können Emotionen des Ueberwältigtseins, der Verletzlichkeit, der Scham, der Angst wellenartig über einem herein brechen und Emotionen der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins provozieren.  Allenfalls ein ähnliches Erleben wie als Kind. Durch das Erleben des bisher eingekapselten Schmerzes werden auch positive Gefühle frei gesetzt, die im Gehirn neue Nervenbahnen bilden und so neues Erleben und neue Erfahrungen ermöglichen. Das fühlende Zulassen ist auch ein körperlicher Prozess. Der Körper wird weicher, einzelne Körperteile, die vor den Prozessen eher als „angehängt“ oder unbeteiligt gefühlt wurden, werden danach als zugehörig empfunden. So werden nicht nur Erfahrungen und Gefühle integriert, sondern auch der Körper. Jedes Gefühl hat eine Resonanz im Körper. Die Körperempfindungen wahrnehmen lernen, kann ein hilfreicher Weg sein, um im Alltag die eigene Befindlichkeit fühlen zu lernen und angemessen damit umzugehen. Der Körper als Tor zur eigenen Geschichte. Die Atmung als Referenz, wie tief man den eigenen Körper „belebt“ und bewohnt.

Die Persönlichkeitsentwicklung ist kein linearer Prozess und lässt sich somit nicht am Tag x beenden. Es geht weder um stundenlanges Baden in Schmerzhaftem, noch um eine Vorwurfshaltung gegenüber der Herkunftsfamilie oder um forderndes Verhalten in der Gegenwart. Umstände im Leben oder Menschen provozieren in einem Emotionen, unter denen man schon früher gelitten hat. Längerfristig wird es nicht gelingen, Entbehrungen der Vergangenheit in der Gegenwart „nachleben“ zu wollen mit einer Haltung, dass man es verdient und dass es einem zusteht, weil es früher nicht möglich war. Bedürfnisse aus der Kindheit in der Gegenwart erfüllt zu bekommen untergräbt feine Beziehungen im Erwachsenenleben. Dieses Verhalten hinterlässt bei anderen Menschen häufig ein Gefühl von benutzt werden und provoziert disharmonische Distanz. Der reife Umgang mit überflutenden Emotionen macht den Unterschied.  Unwohlsein fühlen, es „halten“ zu lernen ohne es auszuagieren (durch Wut, Rückzug, Vorwurf), gibt Verbundenheit mit sich selbst und stärkt das Mitgefühl. Jedes „innere Kind“ kennt Nöte und defizitäre Zustände. Insofern kann man Dissonanzen im Leben als Einladungen zur inneren Reifung und Heilung verstehen.  Sinnvolles in Kontakt treten mit dem eigenen „inneren Kind“ und der eigenen Vergangenheit wird Entspannung bringen. Schwierigkeiten in gegenwärtigen Familien- und anderen Systemen sind ebenfalls eine Einladung, mit einem lösenden Blick in die Vergangenheit zu schauen und inne zu halten.

Wer inne hält, gibt sich innen Halt.

Resilienz – Belastbarkeit, innere Stärke, Eigenständigkeit und gesunde Lebenstüchtigkeit – sind Qualitäten, die von der Verbundenheit des Erwachsenen mit seinem „inneren Kind“ zeugen. Aus dieser Verbundenheit ist es die Freude und die Fülle, die einem in Beziehung sein lässt und weniger die Bedürftigkeit des Brauchens und des Habens.
Der eigenen Geschichte, den eigenen Ueberzeugungen und den daraus resultierenden Glaubenssätzen auf sinnvolle und lösungsorientierte Art zu begegnen, schliesst eine Retraumatisierung aus. Das Verständnis und das Mitgefühl für die eigenen Verhaltensweisen wird unterstützt und gefördert. Man beginnt sich sozusagen selbst ins Herz zu schliessen, versteht mit den Augen des Herzens das Verhalten in der Vergangenheit, wird friedlich in der Gegenwart und sät dementsprechend für die Zukunft. Daraus wächst Mitgefühl für sich selbst, dem Familiensystem und anderen Menschen. Schliesslich wird Liebe mehr, wenn sie geteilt wird.
An diesem Punkt wird der psychologische Weg zum spirituellen. Das Familiensystem (wie alle Systeme) ist ein Spiegel der eigenen Glaubenssätze. Die Glaubenssätze wiederum spiegeln das Ego. Glaubenssätze aufzuheben bringt u.a. Toleranz, Wärme und innere Freiheit – Qualitäten des Herzens. Schliesslich ist der daraus wachsende innere Frieden ein fruchtbarer Nährboden, um das eigene Potenzial in das Leben hinein zu tragen.
Daraus kann eine Grundstimmung wachsen, dass es im Leben darum gehen könnte, was man zu geben hat und den inneren Reichtum mit anderen zu teilen.

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